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Spieletest: Helldorado

Commandos in Cowboystiefeln

von Michael Dees
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Coole Kopfgeldjäger, ruchlose Banditen, temperamentvolle Mexikaner, kokette Weibsbilder - der unter neuem Titel fortgesetzte Ableger der "Desperados"-Reihe reißt die Klischeekiste des Wilden Westens erneut weit auf. Nur eine Western-Regel missachtet das 3D-Taktikspiel weiterhin: Es gewinnt nicht der, der am schnellsten schießt.

Als eine Art "Commandos" in Cowboystiefeln traten die "Desperados" einst in die Fußstapfen ihrer erfolgreichen Weltkriegskollegen, den Pionieren des strategischen Leisetretens. Auch "Helldorado", dritter Ableger der "Desperados"-Reihe, setzt auf die "Commandos"-Taktik.

Sechs unterschiedliche Spezialisten schleichen, meucheln und tricksen sich durch einen mit Feinden gespickten Parcours. Im Sichtkegel des Feindes erregt die kleinste Unvorsichtigkeit Verdacht und selbst Trittschall versetzt hellhörige Gegner in Alarmbereitschaft, weshalb es an besonders heiklen Stellen nur bäuchlings voran geht. Bereits überwältigte Wachen müssen aus dem Blickfeld ihrer Kollegen geschleppt und - sofern noch am Leben - gefesselt werden.

Für einen Mundvoll Tequila

Die Möglichkeiten des Gegnertäuschens sind so facettenreich wie das Helden-Sextett selbst. Rädelsführer Cooper kann Feinde mit seiner Spieluhr ablenken, die schöne Kate düpiert Halunken mit gespielten Ohnmachtsanfällen und Hawkeye scheucht mit lautem Indianergejohle nicht nur Pferde auf. Symbole über den Köpfen der Feinde informieren über deren Vorlieben und Schwächen. So verrät zum Beispiel ein Glas, ob ein Gegner seinen Posten beim Sichten einer unauffällig platztierten Tequilaflasche verlässt.

Ampelprinzip: Färbt sich ein feindlicher Sichtkegel von grün zu gelb, ist etwas schief gelaufen. Rot versetzt die Wachen endgültig in Alarmbereitschaft.
Ampelprinzip: Färbt sich ein feindlicher Sichtkegel von grün zu gelb, ist etwas schief gelaufen. Rot versetzt die Wachen endgültig in Alarmbereitschaft.

Es muss aber nicht notwendigerweise der Samthandschuh sein: Dynamit, Tomahawks und Schießbüchsen haben in den Satteltaschen der Desperados nach wie vor einen Platz. Auf Wunsch ermöglicht die mit dem zweiten Teil eingeführte Action-Steuerung das Ballern aus der Schulterperspektive. Den ohnehin nicht leichten Missionen kommt jedoch erschwerend hinzu, dass manche Einsätze keine Todesopfer zulassen.

Quickactions und Comboaktionen erleichtern das "Helldorado"-Handwerk. Bis zu fünf Befehle können pro Charakter geplant, aneinandergereiht und per Tastendruck ausgeführt werden. Ein optionaler Filmmodus packt solche Kettenreaktionen in ansprechende Clips, die aus dem Spiel heraus exportiert und später erneut angesehen werden können. Ebenfalls erweitert hat sich die Taktikpalette um Angriffe und Ablenkungsmanöver, die zwei Helden kooperativ vortragen. Im Zuge so genannter Comboaktionen lassen sich beispielsweise Pfeile mit Dynamit kombinieren oder Feuerzeuge mit Brandbeschleunigern. Zum Schein kann sich der Indianer außerdem von seinen Kumpanen festnehmen lassen und sich mit der Flinte im Kreuz feindlichen Blicken aussetzen.

Taktisches Geduldsspiel

Warum aus der geplanten "Desperados"-Erweiterung das eigenständige "Helldorado" wurde, hängt vermutlich mit dem bescheidenen Abschneiden des Vorgängers zusammen. Doch auch unter neuem Namen bieten die Strategieschlitzohren das gewohnte Programm. Sogar die als eigenwilliges Daumenkino vorgetragene Geschichte knüpft an den zweiten Teil des taktischen Wildwestspiels an. Im Vergleich zum Vorgänger mit den "Desperados" - pardon - "Helldorados" dennoch bergauf. Den Feinden wurde z. B. mehr Hirn unter die Cowboyhüte gepackt, weshalb verräterische Aktionen und Geräusche schneller Misstrauen erwecken. Leider müssen einige Karten immer noch mehrmals beackert werden. Die Folge: "Helldorado" bietet doppelt so viele Missionen wie Einsatzgesbiete.

Dank komfortabler Steuerung, vielfältiger Lösungswege und plakativer Wildwest-Stimmung hätte "Helldorado" dennoch die Aufmerksamkeit auch eines größeren Publikums verdient. Gleichwohl liegt es in der Natur der Sache, dass ein auf Schleichen und Täuschen geeichtes Spielprinzip nicht nur spannend ist, sondern wegen unausbleiblichen Fehlversuchen und Neustarts auch an den Nerven zehren kann. Trotz Schnellspeicherfunktion werden die Sabotage- und Befreiungsaktionen vor allem für Anfänger zur Geduldsprobe. Wenn ein Weiterkommen wegen starker Feindpräsenz unmöglich erscheint und schon ein falscher Schritt das Aus bedeuten kann, klicken Speicher- und Ladetasten schneller als der flinkeste Pistolero schießen kann.

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Dieser Artikel wurde mit den Schlagworten Gaming, Testbericht, Strategiespiel, 3D-Software & Rendering, Bildschirmschoner: Kamin, Feuer & Flamme und Action versehen.

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